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    <title>Feed</title>
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        <description>The blog feed for Baseblog.</description>
    
        <item>
      <title>Mangel an Respekt</title>
      <link>https://25n.matthiashaak.com/blog/mangel-an-respekt</link>
      <guid>blog/mangel-an-respekt</guid>
      <pubDate>Wed, 02 Nov 2016 00:00:00 +0000</pubDate>
      <description><![CDATA[<p>Ich komme ans Set, am Tisch sitzen drei Araber in Kandura. Ich sage kurz Hallo und gehe den Sachen nach, deretwegen ich gekommen bin. Ich höre, wie sie ein bisschen aufgeregter miteinander reden und mich dann einer auf arabisch fragt, warum ich kein arabisch spreche. Oder ob ich arabisch spreche. Hundertprozentig weiss ich es nicht, da meine Arabischkenntnisse immer noch “Shweya” sind, was soviel heißt wie “ein bisschen”. Was ich ihm auch antworte. Er fragt mich, wo ich herkäme und als ich sage “aus Deutschland” ist er sichtlich irritiert, und entschuldigt sich über die Maßen bei mir.</p>
<p>Ich sähe aus wie ein Syrer, und er fand es sehr respektlos, dass ich meine arabischen Mitbrüder nicht anständig gegrüsst und nach ihrem Befinden befragt habe.</p>]]></description>
    </item>
        <item>
      <title>Taxi! Taxi!</title>
      <link>https://25n.matthiashaak.com/blog/taxi-taxi</link>
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      <pubDate>Sun, 21 Feb 2016 00:00:00 +0000</pubDate>
      <description><![CDATA[<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/dscf6760-2bc03c3888c502e3fce3f946b5de4591.jpg" class="image">
<p>Nach Marokko und Kuwait geht es jetzt in den Libanon, nach Beirut. Im Libanon gibt es immer wieder gewalttätige Auseinandersetzungen, Anschläge, und einen Präsidenten haben sie auch nicht. Stoff für  jede Menge Geschichten und Mythen.<br />
Da ist zum Beispiel die Geschichte von dem einen, der für ein paar Tage beruflich nach Beirut flog. Abends gab es laute Geräusche, und er schaute eine Weile aus dem Fenster, um dem auf den Grund zu gehen. Als er am Morgen seine Kollegin fragte, ob sie auch das Feuerwerk gesehen hätte, schaute sie ihn absolut entgeistert an. Sie habe die Nacht vor Angst schlotternd in der Badewanne verbracht aus Angst, dass etwas passieren könnte. Das Feuerwerk stellte sich als veritabler Raketenangriff heraus.</p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/dscf6742-2782b458a4ab27786a282f24e265d133.jpg" class="image">
<p>Zeit für die eigene Geschichte. Wir kommen ganz unspektakulär am Flughafen an und werden direkt zum Zoll gelotst, wo wir nichtstuend warten müssen. Nachdem unser lokaler Guide aufgetaucht ist und ein Weilchen mit den Zöllnern schwatzt, Zigaretten raucht und Papier um Papier hervorzieht, dürfen wir weiter. Die Koffer und deren Inhalt will niemand sehen. Wie später alle Kontrollen durch Polizei etc. ist das im Handumdrehen erledigt. Wir werden angehalten, er erzählt Sachen, plötzlich sind alle freundlich und lassen uns ziehen. Als mal eine Kolonne mit einem abenteuerlichen blaulichtenden Führungsfahrzeug vorbeizieht, fragen wir ihn, was es damit auf sich habe. “Maybe someone working for someone”. Das fasst wohl ziemlich gut zusammen, was hinter all dem stecken mag.</p>
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<p>Draussen ist Chaos, und jeder zweite fragt: “Taxi? Taxi?” Wir nicht, denn wir haben einen Wagen. Mit dem wir dann losfahren und direkt im Stau stehen, was uns hilft, denn keiner kennt den Weg. Das eingebaute Navigationssystem weiss nicht, wo es ist, und keiner hat Datenroaming freigeschaltet. Das kann ja lustig werden. Auf die Idee, unseren Guide anzurufen, kommt niemand. Wir finden es trotzdem, und haben uns gar nicht mal so viel verfahren.</p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/dscf6747-e2188f55c2ff6e27ccfacb82c1e11185.jpg" class="image">
<p>Das Hotel ist in der Altstadt von Beirut. Das heißt, von hier ist alles 40 Minuten länger, denn solange braucht man, um hinein oder heraus zu kommen. Absoluter Verkehrsinfarkt, und Schilder und Ampeln haben eine eher vorschlagende Funktion. Dafür wird man an jeder Ecke gefragt, ob man ein “Taxi? Taxi?” braucht. Beim Reingehen ins Hotel schon abgelehnt, kommt derselbe Fahrer beim Rauskommen wieder an und fragt. Die Taxis sind meistens gute alte W123, die ihre besten Jahre schon lange hinter sich hatten, als sie aus Deutschland hierher kamen. Seitdem werden sie notdürftig am Leben gehalten mit allem, was gerade so da ist. Hin und wieder stehen ein paar ausgebeinte am Straßenrand. Die marokkanischen haben da einen wesentlich fitteren Eindruck gemacht. Aber dafür sieht man hier auch noch Seltenheiten wie D-Kadett Kombi oder B- und C-Ascona. </p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/dscf6978-600a7e6954d6e42285c4631db4a72cfa.jpg" class="image">
<p>Wenn man den Blick von der Straße – oder den teilweise fragmentierten Gehwegen – löst, fallen immer wieder Häuser auf, die aussehen, als wären sie nicht fertig geworden. Wenn man dann noch mal hinschaut, sieht man Einschusslöcher oder fehlende Teile der oberen Fassaden. Dort, wo die Rakete eingeschlagen ist. Relativ dicht am Zentrum steht auch das alte Kino, auf das in den sechziger Jahren ein Bombenattentat verübt wurde. Seitdem hat es niemand mehr angefasst, obwohl es hin und wieder Pläne zum Wiederaufbau gibt. Andererseits stehen hier die Moscheen und die Kirchen teilweise direkt nebeneinander, und die Menschen sitzen davor und schwatzen. An der Tankstelle gibt es Dosenbier zu kaufen (“Weidmann”, der Kenner schnalzt hier mit der Zunge und greift zum Oettinger oder Paderborner), das ist nach fünf Monaten Middle East schon ein Kuriosum.<br />
Am zweiten Tag geht es raus aufs Land und in die Berge, und selbst im Winter sieht die Gegend im Libanon erstaunlich aus. Mediterran. Was ja jetzt kein Wunder ist. In der Ferne die schneebegipfelten Berge von Mzaar-Kfardebian, und wir ändern den Drehplan. Zwei Leute aus der Crew haben noch nie Schnee gesehen, also ab in die Berge, mit entsprechenden Temperaturen. Auf dem Weg dahin (und einer zehn Kilometer langen Abzweigung in eine ruhige Seitenstraße) werden wir unter anderem von der Armee angehalten, aber wir haben ja unseren Guide. Ich kriege den Wunsch, im Libanon zu urlauben, und der schneeunerfahrene Teil der Crew nasse Füße.</p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/dscf6936-9fb39feea8e697a6e1961c9026397a8a.jpg" class="image">
<p>Das Libanesische Pfund, die lokale Währung, habe ich nicht benutzt. Ein Dollar sind ca. 1500 Pfund, und demzufolge wundert es nicht, dass es 100.000-Pfund-Noten gibt. Wir alle zahlen in Dollar, das lässt sich leichter vorstellen – und ist eigentlich überall möglich, das ist de facto eine Zweitwährung.<br />
Aus den Bergen zurück in der Stadt werden wir Zeuge, wie eine mittelalte Frau, die schon die restlichen Tage an dieser Stelle eine Horde bettelnder Kinder beaufsichtigte, einen übergewichtigen Zwölfjährigen, der fast einen Kopf größer ist als sie am Schlawittchen gegen den Laternenmast hält und ihm sagt: “Deine Mutter scheint nicht zu wissen, wer ich bin.” Die bettelnden Kinder sind wirklich sehr aufdringlich, und man will sie nicht abwimmeln – es sind doch noch Kinder. Leider sind sie auch ausgekochte Profis, die zudem unter Druck stehen, am Abend auch ordentlich abliefern zu müssen.<br />
Wie uns erzählt wird, ist es “seit Syrien” schlimmer geworden – in dem Ausmaß gab es das vorher nicht. Wobei das nicht wundert, wenn ein kleines, wirtschaftlich relativ schwaches und politisch uneiniges Land wie der Libanon plötzlich die Hälfte der eigenen Bevölkerung an syrischen Flüchtlingen aufnimmt.<br />
Abends gehen wir noch ein bisschen durch die Straßen und das erste Mal kommt so ein komisches Gefühl auf. Ich sehe Bier auf der Speisekarte und frage den Kellner, ob ich das auch draußen (direkt neben der Straße) trinken darf. Er schaut mich an als ob ich von wo ganz anders herkäme und meint nur “selbstverständlich”. Ein halbes Jahr in den Emiraten und schon konditioniert… Nun geht’s aber erst mal nach Deutschland. Schnee habe ich ja jetzt geübt.</p>]]></description>
    </item>
        <item>
      <title>Die dicken Katzen von Kuwait</title>
      <link>https://25n.matthiashaak.com/blog/die-dicken-katzen-von-kuwait</link>
      <guid>blog/die-dicken-katzen-von-kuwait</guid>
      <pubDate>Tue, 16 Feb 2016 00:00:00 +0000</pubDate>
      <description><![CDATA[<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/dscf6259-2-2647e08891c67725a3254a060fa5ca98.jpg" class="image">
<p>Kuwait ist ein kleines Land, was trotzdem jeder irgendwie kennt. “Das war doch wo damals der Saddam…” Genau da.  Und ich war dort.</p>
<p>Als Kind habe ich mal einen Beitrag über Kuwait gelesen. Dass es warm sei und unheimlich reich, und alle bekämen kostenloses Wasser. Und, für mich als Kind relevant: Palmen. Und irgendwie hat mich das nie losgelassen. </p>
<p>Kuwait war lange Zeit das reichste und wichtigste Land am Golf – und das liberalste. Es gibt keine reinen Scharia-Gerichte, die Scharia gilt nur für Familiensachen. Die Rechtsgrundlagen sind nach französischem Vorbild (wie unser deutsches Recht übrigens auch). Es gibt ein Parlament, das zumindest in Teilen gewählt wird und die Regierung kontrolliert – bis hin zur Entscheidungsunfähigkeit.<br />
Es ist ein Land mit langer Geschichte, und großem Einfluss. Ein geistiges Zentrum mit weitgehender Pressefreiheit. Ein kulturelles Zentrum der arabischen Welt. Die Schulbücher für alle Golfstaaten kamen früher von dort. Die Universitäten, die Schulen. Die Wirtschaft brummte. Es war ein Land, in das jeder wollte (vergleichbar vielleicht mit Qatar oder Dubai von heute). Und es war das einzige Land am Golf, das mit der UdSSR paktierte. </p>
<p>Bis die Krise kam. In den 80ern der erste Golfkrieg: Irak gegen Iran. Kuwait hat den Irak unterstützt und musste dafür Attentate und Entführungen von iranischer Seite hinnehmen. Als der Krieg vorbei war, forderte Kuwait die Schulden für den Krieg vom Irak ein, und bekam Saddam Hussein. Erst dann mussten sie ein bisschen auf die USA zugehen, weil Saudi-Arabien (der Nachbar auf der anderen Seite) zu Hilfe kam, aber mit amerikanischer Unterstützung. </p>
<p>Alles in allem also wirklich großartige Voraussetzungen, ein spannendes Land, viel zu sehen und zu entdecken (sofern das in zwei Tagen mit Arbeit geht). Die Wirklichkeit ist dann um so ernüchternder.</p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/dscf6248-3-f71dcf40f2bb371a3c095871624e0b3c.jpg" class="image">
<p>Bei der Einreise geht es los. Ich bin der einzige der Crew mit visa on arrival, was meine Ankunft ziemlich kompliziert macht. Man muss sich das Einreisevisum nämlich hart erkämpfen, und das geht so:<br />
“Da gehst Du die Treppe hoch und holst Dir das ab. Das kostet 3 Dinar.” Dort sind Schlangen, und ein Schalter, der Wartemarken ausgibt. Dahinter ein Automat, an dem man Wertmarken kaufen kann. Der akzeptiert nur Kuwaiti Dinar, die ich natürlich nicht habe. Zum Glück gibt’s eine Wechselstube, die ist genau am anderen Ende. Und hat eine lange Schlange. Und irgendwie sehen die Zahlen für die Wechselkurse komisch aus. Stellt sich raus: für einen Dinar zahlt man knapp 3 Euro. Ich brauche 3, also kurz einen 10 Euro-Schein verwendet, den ich zufällig noch einstecken hatte. UAE-Dirhams hatte ich nämlich nicht mehr ausreichend, und die Bank / der Automat war “irgendwo anders”.<br />
Also wieder zurück, angestanden, Wertmarken gezogen. Angestanden, Wartemarke geholt. Dabei werde ich noch darauf hingewiesen, dass ich eine Passkopie brauche. Die gabs aber am Schalter nebenan sofort und kostenlos. Danach noch 30 Minuten auf einen freien Schalter warten, und ich durfte ins Land. Und das ohne weitere Wartezeit oder Komplikation: der Frau in der Passkontrolle hat es gereicht, mein Visum von etwa 10 Metern Entfernung zu sehen. Die Gepäckkontrolleure hatten offensichtlich alle die gleiche wichtige Whatsapp-Nachricht bekommen,  mein Gepäck hat sie weiter nicht interessiert. Und das obwohl, und dabei wird vor Ankunft noch mal explizit hingewiesen, die Einfuhr von Alkohol bei Strafe strengstens verboten ist.<br />
Der Flughafen ist ziemlich langweilig – ein paar Shops, ein bisschen schmuddelig, und draussen wird es noch ein bisschen schmuddliger. Jeder deutsche Provinzbahnhof sieht nicht besser aus.<br />
Es sind 15ºC, später am Tag wird es aber knapp über 20. Vor ein paar Wochen hat es in Kuwait geschneit (in Riyadh übrigens auch), das war ein Jahrhundertereignis. Heute merkt man davon nicht viel, aber es ist recht angenehm. </p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/dscf6268-2-c6504baa1d267e4762cd62cd13db9c15.jpg" class="image">
<p>Erste Überraschung: auch im Hotel gibt es keinen Alkohol. Das ist normalerweise immer die Oase, in der man auch in den islamischen Staaten was zu trinken bekommt – nicht so hier. Die nehmen das ernst. Und im Spa werden Männer nur von Männern behandelt, und Frauen nur von Frauen.<br />
“Draußen” ist es seltsam: ich habe von Kuwait als einem relativ liberalen Land gelesen, dafür sind aber ziemlich viele Frauen mit Abaya und Hijab unterwegs. Andererseits habe ich noch nirgends auf der Welt so viele Frauen hochpreisige Sportwagen fahren sehen. In einem Wohngebiet haben wir ein paar Damen beim Basketball zugesehen, auch alle in Abaya und Hijab. Das ist ein ungewohnter Anblick für uns, aber sie haben verdammt viel Spaß gehabt.<br />
Die Wohngebiete. Villen (also Einfamilienhäuser), nicht sehr kreativ in der Architektur, aber auch nicht alle gleich. Im Vergleich zu Dubai fällt vor allem auf, dass die Mauern um das Haus fehlen. Und viele Menschen durchaus mehr als zwei Autos haben. Das können Oldtimer sein, Sportwagen, oder einfach nur eine Sammlung von mehr und weniger verbeulten weißen japanischen Nutz-PKW vom Schlage eines Toyota Camry oder Nissan Primera.</p>
<p>Hin und wieder erinnert eine Ruine an den Krieg. Der war kurz vor dem Jugoslawien-Krieg, also rund 25 Jahre her. Es wurde in der Stadt auch nicht alles weggebombt, wie anderswo. Es ist auch nicht runtergekommen, aber alles auch nicht sonderlich shiny. Die größte Mall von Kuwait ist vormittags weitestgehend leer. Im vormals reichsten Land der Welt scheinen also alle zu arbeiten. Obwohl, so wird mir berichtet, Kuwaitis Geld vom Staat dafür bekommen, dass sie Kuwaitis sind. Das ist am Golf so üblich, wenn auch sonst eher durch kostenlose Gesundheitsvorsorge, verbilligten Wohnraum etc. </p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/dscf6251-3-955500c3aebfdbac0c843f39930b65db.jpg" class="image">
<p>Woran man sieht, dass Kuwait immer noch ein wahnsinnig wohlhabendes Land ist? An den Katzen. Hier in Dubai sind die streunenden Katzen sehr mager bis erbärmlich. In Kuwait sind sie fett. Verwöhnte-Hauskatzen-fett. Alle.</p>
<p>Auf dem Rückflug lerne ich einen Pakistani kennen, der Zeit seines Lebens in Kuwait wohnt. Er bestätigt, dass es ein wahnsinnig langweiliges Land ist, außer Strand, Shopping, Essen und Kino gibt es nichts. Immerhin Kino, das haben sie ihrem Nachbar Saudi-Arabien voraus.</p>]]></description>
    </item>
        <item>
      <title>Bu Qtair</title>
      <link>https://25n.matthiashaak.com/blog/bu-qtair</link>
      <guid>blog/bu-qtair</guid>
      <pubDate>Wed, 03 Feb 2016 00:00:00 +0000</pubDate>
      <description><![CDATA[<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/buqtair02-e8750ecd80b3e8da98b147c95bceac69.jpg" class="image">
<p>Das Bu Qtair ist ein Restaurant. Wobei, das stimmt nicht ganz. Es ist etwas, wo man etwas zu essen bekommt. Heutzutage würde man es wahrscheinlich “Pop up eatery” oder ähnlich fancy nennen. Dabei funktioniert es nach einem ganz einfachen Prinzip, mit ganz einfachen Regeln.</p>
<p>Im Bu Qtair gibt es zwei Sachen: Fisch (“Fang des Tages”) und Garnelen. Garnelen pro Kilo, beim Fisch wird gefragt, für wieviele Personen. Beide kommen mit der gleichen Sauce. Man kann also wählen, oder beides nehmen. Die Bestellung erfolgt über ein Fenster direkt in die Küche, man sieht die Zutaten, Töpfe, Menschen, alles. Nicht ungewöhnlich, dass derjenige, der die Bestellung aufnimmt, auch kocht. </p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/buqtair01-13ebe909910e5b6ca92d1861c325399f.jpg" class="image">
<p>Nachdem man bestellt hat, wird man noch nach dem Namen gefragt, und man geht irgendwo an die Seite und wartet. Stehend. Oder setzt sich auf etwas, was noch so rumsteht. Draussen, mit vielen anderen Menschen, die auch bestellt haben. An der Küche steht nach wie vor eine riesige Schlange an Menschen an, die teilweise stundenlang warten, um endlich bestellen zu können.</p>
<p>Wenn der eigene Name aufgerufen wird, kommt jemand mit einem Tisch und Stühlen entsprechend der Personenanzahl, stellt die hin wo Platz ist, wischt noch mal ab und es wird aufgetragen. Seit ein paar Jahren gibt es auch noch optional Reis. Das liegt daran, dass die Filipinos nach einer Weile immer ihren eigenen Reis mitgebracht haben – denn eine Mahlzeit ohne Reis ist keine Mahlzeit. Es gibt auch Salat, das sind Zwiebeln in Scheiben geschnitten und ein bisschen grün. Generell ist das Publikum dort ein Querschnitt durch die Bevölkerung, vom Scheich bis zur Putzfrau sind dort alle anzutreffen.  </p>
<p>Das Essen ist wirklich großartig. Es sieht nicht fancy aus, und es kommt auch nix im Einmachglas - Fisch auf Teller. Fertig. Nach dem ersten Bissen ist auch klar, warum da alle anstehen. Es schmeckt einfach nur einzigartig gut. Das Bu Qtair ist seit über 20 Jahren eigentlich nicht viel mehr als eine Baracke auf einem Sandplatz, aber es ist die Sandplatzbaracke mit dem besten Fisch.</p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/buqtair04-37c543a78dbc4a200f453512869f876a.jpg" class="image">
<p>Schlussendlich gelten aber auch hier Gesetze, und die schreiben alles das vor, was das Bu Qtair nicht ist. Seit Januar ist das Bu Qtair an einem neuen Standort ein paar hundert Meter weiter auf der anderen Straßenseite. Ein richtiges Restaurant, mit richtigen Tischen und Stühlen. Es soll immer noch gleich schmecken. Wir werden sehen.</p>]]></description>
    </item>
        <item>
      <title>Im Land des Sonnenuntergangs</title>
      <link>https://25n.matthiashaak.com/blog/im-land-des-sonnenuntergangs</link>
      <guid>blog/im-land-des-sonnenuntergangs</guid>
      <pubDate>Wed, 27 Jan 2016 00:00:00 +0000</pubDate>
      <description><![CDATA[<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/intro-bdadac923aa0a26a96d05ceac5c4dbc8.jpg" class="image">
<p>Nach 8 Stunden Flug und 3 Stunden Autofahrt nach  kann ich es kaum glauben: Störche. Auf jedem Hausdach mindestens einer. So viele habe ich in meinem Leben zusammengenommen noch nicht gesehen. Ich sollte zum Arbeiten eine Woche nach Marokko, Filmton aufnehmen. Das klang spannend, weil das doch Afrika ist und wegen der Berber und da ist ja alles ganz anders und trotzdem ist das immer noch Arabien. Und dann komme ich an, und da sind Störche. </p>
<p>“Im Winter fliegen die Vögel nach Afrika” haben wir als Kinder gelernt. Und Afrika, das hatte einen Klang: unerreichbar weit weg und irgendwas zwischen Wüste und Dschungel. Auf jeden Fall gibt es da, soviel wussten wir, schwarze Männer und Länder mit lustigen Namen. Und wir fragten uns gelegentlich, was Amsel, Drossel, Fink und Star denn dort so treiben, und wie die eigentlich so zurechtkommen. Stellt sich raus: Vogel sein und ziemlich gut. Nicht dass ich die jetzt im Einzelnen auseinanderhalten könnte, dazu bin ich dann wohl nicht Dorfkind genug. Alles was ich weiß ist, dass die Amsel einen gelben Schnabel hat und der Fink so einen knuffig kurzen. Einen Storch hingegen… den erkennt man einfach. Aber auch die Gegend in der er lebt sieht irgendwie bekannt und gänzlich unafrikanisch aus.</p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/marokegend-cc694d9f419591819876c8598c86f2bc.jpg" class="image">
<p>Aber der Reihe nach. Zuerst wird in Casablanca gelandet auf einem Flughafen, der so klein ist, dass da keine zwei Maschinen gleichzeitig in der Passkontrolle abgefertigt werden können. Zudem scheint man dort Zettel zu mögen, schon im Flugzeug soll einer ausgefüllt werden. Der wird aber nicht eingesammelt, sondern dem Einreisebeamten am Schalter vorgelegt. Der stempelt den dann ab, stempelt was in den Pass, krakelt überall ein bisschen dran rum und packt den Zettel auf einen großen Haufen. Und schon geht’s ins Land. </p>
<p>Dort ist es erst mal seltsam: es riecht ein wenig komisch. Also nicht in dem Sinne, dass es stinkt, sondern eher wie “noch nie gerochen”. Weiters tragen alle Menschen Jacken oder ähnlich wärmende Oberbekleidung. Diese Kleidung sieht meistens nicht ganz neu aus. Sie gucken auch ein bisschen komisch, aber das kann daran liegen, dass ich mit einer Gruppe Filipinos reise und weder “Westler” noch Filipinos hier sehr verbreitet sind. Es ist also kurz gesagt ganz schön anders. Außerhalb der Ankunftshalle ist es erfrischend. Nicht kalt, aber doch unter 20 Grad. Und ruhig im Vergleich zu Dubai, was auch an dem eher kleinen Flughafen liegen kann. Das Gefühl ist eher Schkeuditz als Rick’s Café. Nach einem ersten Halt in einem kleinen Bistro und der Einführung in marokkanischen Tee geht es via Rabat in Richtung Ifrane. </p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/schafe-584c6e2682cf99516b4ff2107f6140fa.jpg" class="image">
<p>Der maghrebinische Tee ist Grüner Tee mit Minze in Zucker gelöst. Das klingt furchtbar, schmeckt aber wahnsinnig gut – wenn auch immer anders. Das Eingießen wird zelebriert und klappt selbst beim Laien (mir) ohne nennenswerten Schankverlust, obwohl die Gläser aus mehr als 30cm Höhe befüllt werden. Auf die Frage “warum” lautet die Antwort in etwa: “Es ist so Brauch”. Egal, ab jetzt wird maghrebinischer Tee getrunken. Das ist übrigens eines der Dinge, die nur schmecken, wenn man dort ist. Dann aber sehr gut.</p>
<blockquote>
<p>I have seen poverty in Morocco, I have seen poverty elsewhere. Here, people are just poor. Elsewhere, they are desperate.</p>
</blockquote>
<p>Das Land – zumindest im Norden – erinnert an Südfrankreich und Rumänien. Südfrankreich: die Landschaft, Rumänien: die Armut. Derer gibt es eine Menge, man sieht Menschen neben Müllkippen wohnen und darauf nach Verwertbarem suchen. Menschen, die einfach nichts tun und auf der Straße den Autos hinterhergucken, weil sie sonst nichts zu tun haben. Menschen, die alles mögliche versuchen zu verkaufen, um wenigstens ein bisschen was zum Leben zu haben. Allerdings berichten alle befragten Marokkaner einstimmig, dass die Menschen zwar arm aber glücklich seien und noch keiner Hungers gestorben wäre. Erfroren hin und wieder schon, aber das läge wohl an der mangelnden Vorbereitung auf den Winter. </p>
<p>Auf der Müllkippe haben die Menschen Gesellschaft vom Storch, der dort reiche Beute findet. Früher sind die Störche bis weit nach Westafrika gezogen (sogar von Marokko aus), jetzt wollen sie meist nicht mehr weiter als Spanien. Die Halden bieten alles, was ein Storch zum Essen braucht, und er spart sich den Weg. Doch was für ein Bild: Adebar, der stolze Storch – ein Flaschensammler, Aasfresser, Müllwühler. Und so richtig gut bekommt es ihm auch nicht.</p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/marokuh-43e631e90ac81dce8b653442d1709315.jpg" class="image">
<p>Entlang der Straße werden Schafe und Kühe gehalten, die auch manchmal unvermittelt kreuzen. Oder über eine Fußgängerbrücke über die Autoroute geleitet werden. Viele Lasten werden nach wie vor mit dem Esel transportiert. Das zu sehen macht immer so eine wildromantische Stimmung und ist doch pure Not/wendigkeit. Der andere Esel ist der Mercedes W123 – ja, die fahren alle noch und die fahren offensichtlich alle hier. Und wie: ein waidwunder Diesel schleppt seinen Auspuff über die Straße scheppernd hinter sich her und der Motor kennt Kompression auch nur noch aus den Geschichten der Altvorderen – das Ding <em>muss</em> jeden Moment auseinanderfallen. Da gibt es bestimmt gerade ein akutes Problem. Gibt es nicht: am nächsten Tag kreuzt es in gleichem Zustand den Weg, nur dass es dieses Mal auch noch ordentlich beladen ist. Drumherum kreisen alte Peugeot mit “Der eine für alle”-Aufkleber auf der Heckscheibe und noch ältere Renault. Nicht alle Fahrzeuge sind jedoch in diesem Zustand, es gibt auch ein paar neuere Wagen. Vorwiegend Dacia, oder welche mit französischem Kennzeichen. Der Wagen, deswegen wir hier sind, ist hingegen der einzige seiner Art in ganz Marokko. Zu teuer.</p>
<p>Aus dem Flugzeug ist Europa zum Greifen nah, und ein bisschen Sehnsucht nach “Dem Alten Land” macht sich breit. Das verschwindet auf der Fahrt durch Marokko schnell: es wirkt einfach sehr oft sehr europäisch, was auch dadurch unterstützt wird, dass alle französisch sprechen. Unvermittelt jedoch stehen wir an einem Café, dessen Beschriftung nur Arabisch und / <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tifinagh-Schrift">Tifinagh</a> ist. Das reißt dann immer wieder ein Loch in die Wärmejacke der Gefühle. Und wir bewegen uns nur im Norden. Marokko hat mehr zu bieten: einer unserer Fahrer fror morgens bei leichten Plusgraden sehr. Ich fragte ihn, wo er denn herkäme und er meinte: aus der Sahara. Da fällt zwar manchmal sogar Schnee, aber so eine Art Kälte kennen sie da nicht. In den Bergen vergisst man schnell, dass das zum Land gehört. Und nach dem, was ich auf Bildern gesehen und erzählt bekommen habe, ist es dort außerordentlich schön.</p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/post-cf65f417d3a885c8c746b37d57f9eb42.jpg" class="image">
<p>In Ifrane hingegen sieht es aus wie in einer alpinen Kleinstadt Frankreichs oder der Schweiz. Häuser mit Spitzdächern, ansonsten recht zweckdienliche, naturnahe Architektur und kein bisschen Afrika oder das, was man sich darunter vorstellt. Wenn man allerdings weiß, dass die Franzosen die Stadt gegen das Heimweh gebaut haben, ist dann auch alles klar. Die Luft ist frisch, die Bäume unbelaubt, die Gegend in weiten Teilen atemberaubend. Alles ist grün und was nicht grün ist, ist für den Sommer umgepflügt. In großen Mieten, die wie Hotdogs auf den Hügeln liegen, lagern die Zwiebeln und harren ihrer Weiterverbreitung. Und Schafe, überall Schafe.</p>
<p>Das Hotel ist ein feines und passt zur Stadt. Die Bar lockt mit wohlbelederten Sofen und Sesseln, mehreren Kaminen, die Wärme spenden, und Beleuchtung, die am besten lautmalerisch wiedergegeben werden kann. Auf dem Zimmer dann gusseiserne formschöne Heizkörper und ein rustikales Holzbett mit Giebel. Abends kommt jemand und bringt zwei Stück Schokolade und ein Wasser, obwohl niemand darum bat. Das kleine Bier kostet 9 Euro. Die Minibar entdecken wir, als der Rezeptionist am Abreisetag einen prüfenden Blick hinein wirft.</p>
<img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/hotel-72637ad44047bd555ac4a66eba83fe67.jpg" class="image"> 
<p>Die Umgegend sieht immer noch schön aus, aber jetzt anders. Kleine Orte werden durchfahren mit viel Authentizität, und ein Wald in dem Affen wohnen. Naturschutzgebiet, aber voller Plastikmüll. In Ifrane (“die sauberste Stadt Marokkos”) und Rabat wird der Müll zumindest in belebten Bereichen außer Sicht geräumt. “Auf dem Land” ist es ein wenig anders. </p>
<p>Zum Mittag gibt es Tajine. Das ist Fleisch unter Kartoffeln und Möhren versteckt und im Tontopf gegart. Großartig! Auch wenn unsere lokale Begleitung uns vom bereitgestellten Wasser im kleinen Bistro am Straßenrand eher abrät und wir lieber Flaschenwasser kaufen sollen. Er meint, er vertrage es, aber das hier sei nicht Dubai… </p>
<figure class="image-figure figcaption-bottom"><img src="https://25n.matthiashaak.com/thumbs/azrou-cb3995ee61b798c2d99d683b7cc9c02d.jpg" class="image"><figcaption><p>Azrou</p></figcaption></figure>
<p>Die lokale Tracht – Djellaba – ist bemerkenswert und macht neidisch: sie sieht aus wie ein Bademantel. Das weckt Erinnerungen an Jeff Bridges und Begehrlichkeiten, den ganzen Tag so rumzulaufen, ohne dafür schief angeguckt zu werden. Sogar draußen. Denn Es Ist So Brauch. Frauen tragen manchmal Hijab, manchmal nicht. Sie müssen nicht, keiner zwingt sie. Manchmal haben sie bunte lange Kleider an, manchmal eher so normale Sachen. Dem Vernehmen nach stören sich hin und wieder ältere Männer daran und sprechen die Frauen darauf an, die ihnen dann entgegenhalten, dass diese Männer – ihrem Rollenverständnis nach – der Frauen Bruder, Ehemänner oder Altvordere seien müssten, um so mit ihnen zu reden. Und dann geht jeder seiner Wege. Allerdings gibts es wohl auch Belästigungen verbaler Art, wenn Frauen unbegleitet durch bestimmte Gegenden gehen. Das passiert vorzugsweise in der Stadt, weniger auf Dörfern.</p>
<p>Kurz vor Schluss gibt es noch mal eine Prise Authentizität: Fes. In Fes gibt es eine Altstadt, die etwa 1200 Jahre alt ist, und eine Uni, die 859 gegründet wurde – übrigens von einer Frau. Die Medina von Fes hat enge Gassen und welche, in denen man sich fast seitwärts drehen muss. “Geschäftiges Treiben” sieht wohl so aus: es ist voll und es ist laut, und man verirrt sich verdammt schnell. Mit dem engen Zeitplan gab es aber keine Möglichkeit, wirklich viel zu sehen. </p>
<p>Und so tun wir es schlussendlich  dem Storch nach und ziehen in wärmere Gefilde. Dazwischen haben höhere Mächte noch den Flughafen von Casablanca gesetzt, der plötzlich gar nicht mehr so klein, dafür um so furchtbarer ist. Da hat wirklich wer einen Narren an Papier gefressen, nur weiss niemand, wer was wann ausfüllen muss – und wie es danach weitergeht. Unter anderem spielt ein Zettel wie der eingangs erwähnte eine Rolle. Aber irgendwie funktioniert es doch. Es hat auch Gründe, warum das so gemacht wird, dazu später mehr.</p>
<p>Nach 7 Stunden Flug (mit dem Wind geht es schneller) komme ich wieder zu Hause an, und zum ersten Mal ist es fühlt es sich nicht nur wie ankommen an, sondern wie heimkommen.</p>]]></description>
    </item>
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      <title>biladi biladi biladi biladi</title>
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      <pubDate></pubDate>
      <description><![CDATA[<p>Es kommen zwei Feiertage auf uns zu, und zu beiden gibt es etwas zu erzählen: Commemoration Day und National Day. Was es damit auf sich hat und wie man einen Ohrwurm in einer Sprache bekommt, die man nicht versteht, will ich kurz erzählen. Dazu gibt es noch ein sprachliches Missverständnis.</p>
<h2>Commemoration Day: 30. November</h2>
<p>Fangen wir mit dem Commemoration Day oder Martyr's Day an. Das ist der Tag, an dem der Toten gedacht wird, die &quot;in Ausübung ihrer Pflicht&quot; starben, also ganz grob vergleichbar mit dem Volkstrauertag in Deutschland.<br />
Der Tag wurde letztes Jahr eingeführt, und das Datum ist in Gedenken an den ersten Menschen, der für die UAE starb. Das war am 30. September 1971 (de facto waren es noch nicht die Emirate, aber es war nicht mehr lange hin zu deren Gründung), und er wurde von Iranern erschossen. Auf einer der Inseln im Persischen Golf / Arabischen Golf (je nachdem, wen man fragt) , deren Zugehörigkeit bis heute nicht geklärt ist. </p>
<p>Zur Feier des Tages wurde auch eine Straße umbenannt, die Ras Al Khaima - Fujairah Truck Road. Die heißt jetzt Shuhada Road. Was ein bisschen witzig ist, denn die Straße ist in teilweise fragwürdigem Zustand, und Shu hada heißt in Umgangsarabisch &quot;Was ist das&quot;. Shu hada, road? Soll das eine Straße darstellen.<br />
In Wirklichkeit wird es aber ganz anders ausgesprochen, nämlich fast gleich, heißt aber: Straße der Märtyrer. Was wiederum auch nicht einer gewissen Ironie entbehrt, denn die Straße ist eine der gefährlichsten in der Gegend. Ich bin dort vier mal langgefahren und hatte zweimal fast einen sehr schweren Unfall (das war wirklich verdammt knapp), und ein paar brenzlige Momente. Aber es wird dran gebaut, vielleicht wird es ja besser.</p>
<h2>National Day: 2. Dezember</h2>
<p>Der Nationalfeiertag wird am 2. Dezember gefeiert, an diesem Tag wurden 1971 die Vereinigten Arabischen Emirate gegründet. Und die Nation ist im Ausnahmezustand. Es werden Autos komplett beflaggt, sodass sie eine einzige fahrende Flagge sind. Es gibt Flaggenkuchen bei IKEA. Riesige Feuerwerke werden abgebrannt (in Nationalfarben), und es gibt eine Parade auf der Sheikh Zayed Road, die für ein paar Stunden gesperrt ist – mit dem entsprechenden Chaos. Das ist wirklich ein riesiges Ding, und nicht zu Unrecht, wenn man sich anschaut, was das eigentlich für ein Ding ist, diese ganzen kleinen Länderchen vereinigt zu haben. Selbst nach der formellen Gründung haben einige Emirate noch gegeneinander Mini-Kriege um Gebiete geführt, bis Sheikh Zayed dem ganzen Spuk ein Ende bereitet und eine gemeinsame Armee deklariert hat. Dazu später mal mehr. Auch hier wurde eine Straße umbenannt, aus Diyafa Road wurde die 2nd December Street. Und man sollte (wie immer in diesen Fällen) beide Namen kennen, manche wissen davon noch nichts, obwohl das schon Jahre her ist.</p>
<p>Zum Nationalfeiertag lassen sich auch die großen Marken nicht lumpen und bringen Specials oder Extra-Spots heraus. Für einen dieser Spots wurden Komparsen gesucht, die die Nationalhymne der Emirate singen können. Die mussten alle Videos schicken, in denen sie die Hymne singen. Ich habe dabei zwei Dinge festgestellt.<br />
Zum ersten: ich kann singen. Ich sage immer, dass ich das nicht kann, denn ich kann es nicht besonders gut. Aber ich kann nicht gar nicht singen. Das weiss ich jetzt nach gründlichem Quellenstudium.</p>
<p>Zum zweiten gibt es in der Hymne eine Stelle, die geht so:<br />
&quot;biladi biladi biladi biladi&quot; (Mein Land, mein Land, mein Land, mein Land).<br />
Das ist so ziemlich die einfachste Stelle von Text und Melodie, und die bleibt hängen. So sehr, dass sie unvermittelt im Kopf auftaucht und nicht wieder weggeht – ein klassischer Ohrwurm. In einer Sprache, die ich nur sehr rudimentär verstehe und spreche. </p>
<p>Und hier ist die Hymne zum selbst nachhören:</p>
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      <title>Der Mann aus Jemen</title>
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      <pubDate></pubDate>
      <description><![CDATA[<p>Er kommt aus dem Jemen und heißt wie jeder hier, weswegen er oft bei seinem Nachnamen gerufen wird. Keiner weiß, was er macht und womit er sein Geld verdient, aber er hat genug, um seine Familie nachzuholen. Denn in Jemen ist Krieg. Ich sage ihm, dass ich das unvorstellbar finde, dass quasi &quot;gleich um die Ecke&quot; Bomben fliegen, und das nicht wirklich verstehen kann. Er auch nicht, aber er muss es sich nicht vorstellen – er hat es erlebt. Wir sprechen nicht weiter darüber.</p>
<blockquote>
<p>One culture, one language, one religion. Many borders.</p>
</blockquote>
<p>Jemen bestand aus zwei Staaten, die sich erst 1990 vereinigt haben. Wer gegen wen und warum kämpft, ist nicht ganz durchsichtig. Prinzipiell: die Anhänger des Präsidenten gegen die Houthi (schiitische Extremisten) gegen Al-Qaeda gegen Separatisten gegen die Armee. Fakt ist: Saudi-Arabien und die Emirate bombardieren Jemen im Kampf gegen die Houthi. Und mittendrin seine Familie, die zu versorgen er im Ausland lebt. Er sagt, dass sich doch die Araber das Leben viel leichter machen könnten. Sie haben die gleiche Kultur, die gleiche Sprache, die gleiche Religion. Zumindest im Wesentlichen. Stattdessen bekämpfen sie sich gegenseitig, verlangen voneinander Visa und spielen sich gegeneinander aus. Die Leute sind unzufrieden und die Regierenden interessiert es nicht. Er hat es satt und will einfach nur noch seine Ruhe.</p>
<p>Seine Familie musste 5 Stunden in der Kälte an der saudischen Grenze warten, bis sichergestellt werden konnte, dass sie nichts im Schilde führen und auch nur durchreisen werden. Sie sind wohlbehalten angekommen. Andere haben dieses Glück nicht.</p>]]></description>
    </item>
        <item>
      <title>Is this thing still alive?</title>
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      <pubDate></pubDate>
      <description><![CDATA[]]></description>
    </item>
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      <title>Leicht von der Hand, aber nicht mit links</title>
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      <pubDate></pubDate>
      <description><![CDATA[<p>Oman also. Ich war ja schon in Musandam übers Wochenende, das gehört faktisch auch zum Oman. Mit Grenze und allem, obwohl es vom Oman getrennt an der Spitze der Emirate liegt. Also neben dem Ohr vom Pferd (wenn man sich die UAE auf der Karte anguckt, kann man mit Phantasie ein Pferd erkennen). Und es war schön, aber es war eben nicht <em>richtig</em> Oman.</p>
<p>Aber das sollte jetzt nachgeholt werden. Zuerst mal sind alle nett, selbst die Grenzbeamten am Flughafen. Ich grüsse sie auf Arabisch mit &quot;Sabah al khair&quot;, was im Oman eher unüblich ist. Man grüsst klassisch mit &quot;Salam aleikum&quot;. Trotzdem fragten sie mich immer in arabisch (+englisch, wenn ich es nicht verstand), wo ich wohne (kann ich sagen) und woher ich so gut arabisch kann (kann ich nicht sagen). Wenn die wüssten, dass das alles war… </p>
<p>Aber gut, weiter gehts und die Arbeit ruft. Es soll fotografiert werden in fremder Leute Häuser. Das ist dort ein bisschen anders als hier, denn zuerst einmal muss der Mann anwesend sein. Man geht nicht als Fremder in eines Anderen Haus, wenn der Hausherr nicht zugegen ist – egal wer sonst da ist. Speziell, wenn seine Frau da ist. Manchmal gilt dann der Bruder, aber generell gehört sich das nicht. Da er aber im Anmarsch war und unser Location Manager kein Fremder, durften wir dann schon mal rein. <em>Aber vorher Schuhe aus!</em> Ist auch Tradition, macht man aber in Dubai nicht so oft. Zumindest nicht ausserhalb von Häusern, eher im Korridor. Hier bleiben die Botten draussen. </p>
<p>Bei der Begehung ist die Frau des Hausherren immer dort, wo wir nicht sind. Das fällt mehr auf, wenn man darauf achtet – was ich tue. Denn Fettnäpfchen wissen die Araber aufzustellen – üben aber mit Fremden auch Nachsicht. Trotzdem empfiehlt es sich, vorher ein paar Informationen einzuholen. Mein Fotograf ist da eine gute Quelle. Selbst Araber (sieht aber nicht so aus), und weit gereist. Er erklärt mir dann auch, dass es Gegenden gibt, wo es sich nicht schickt, in Gegenwart von Frauen zu rauchen. Hat er vorher auch nicht gewusst, bis es ihm mal passiert ist. Das aber ist keine dieser Gegenden.</p>
<p>Aber wir sind ja im Haus und nicht draussen, und da gibt es noch mehr zu entdecken. Überall stehen Sofas und Sessel herum, aber nicht alle davon werden benutzt. Die im Eingangsbereich sind eher zum Angucken. Fürs richtige Sitzen gibt es einen eigenen Bereich – in diesem Fall ein Raum – das (der?) Majlis. Das ist quasi das Wohnzimmer. Dort sitzt der Besuch, dort sitzt die Familie, dort sitzt jeder.</p>
<p>Als wir auch da sitzen und ein wenig warten, wird uns plötzlich Mittagessen aufgetischt. Wobei &quot;getischt&quot; etwas irreführend ist. Es stehen im ganzen Raum Sofas, aber gegessen wird nach alter Väter Sitte auf dem Boden. Mit der Hand. Für mich gibt es die Option &quot;Löffel und Gabel&quot; und ich kann auch am Tisch sitzen, wenn ich mit dem Boden nicht klarkomme – will ich aber beides nicht. Challenge accepted.</p>
<p>Zu essen gibt es Reis, Fisch, Hühnchen und Salat. Der Reis ist eher von der lockeren Sorte, nicht der Stäbchenkompatible asiatische Reis. Das macht es nicht unbedingt leichter. Der Hausherr zeigt mir eine praktische Technik, der Fotograf eine andere – irgendwie klappt es dann auch bei mir und ich esse unfallfrei. Zum Glück hat es überaus gut geschmeckt, da hatte ich ein paar Portionen zum üben.</p>
<p>Beim Benutzen der Hand ist es wichtig, darauf zu achten, dass die rechte Hand verwendet wird. Nicht nur bringt die linke Unglück, sie ist auch im Wortsinne unrein. Die nimmt man nämlich historisch zur unmittelbaren Reinigung  nach dem Klogang. Und Wasser ist ja eher Mangelware in der Wüste… Also wird mit der Rechten z.B. dem Gast die Tasse gereicht (und mit der Linken eingegossen), das Essen gegessen, bezahlt, einfach alles. Kein einfaches Leben für Linkshänder, aber neben dem offensichtlichen – und mittlerweile obsoleten, denn Wasser gibt es nunmehr eigentlich überall – Grund sind viele Araber über die Maßen abergläubisch. Und die Linke bringt nun mal Unglück.</p>
<p>Der Nachtisch (Datteln) auch, wenn man eine gerade Anzahl isst. Also nehme ich drei. Unglaublich süss, aber grossartig. </p>
<p>Wir haben dann auch noch ein paar Fotos gemacht.</p>]]></description>
    </item>
        <item>
      <title>Wassermangel</title>
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      <pubDate></pubDate>
      <description><![CDATA[<p>&quot;Kann man das trinken?&quot; – &quot;Prinzipiell ja, aber…&quot; So etwa ist die Qualität des Leitungswassers hier. Dabei ist es anfangs gar nicht so schlecht. Wie auch Brauchwasser wird es durch Entsalzung aus Meerwasser gewonnen. <a href="http://time.com/3625511/this-plant-in-dubai-makes-half-a-billion-gallons-of-fresh-water-a-day/">Auf dieser Seite</a> gibt es einen kurzen Einblick in eine der Fabriken, die dafür zuständig sind. Diese Fabrik kann zwei Milliarden Liter Wasser pro Tag produzieren.<br />
Das ist Wasser im Industriestandard, relativ salzarm und sehr sauber. Danach kommt es in Leitungen bis zu den Häusern, wo es in Tanks auf dem Dach gelagert wird. Damit wird ein gleichmässiger Wasserdruck gewährleistet. Je nach Qualität und Alter des Hauses (das hier ist zwei Jahre alt), der Leitungen, die dahin führen (der Stadtteil ist 10 Jahre alt) und der Tanks auf dem Dach kommt das Wasser dann mehr oder weniger so an, wie es die Fabrik verlassen hat. Theroretisch ist es also echt gutes Wasser, praktisch können sich aber auch ordentlich Bakterien und anderes Zeug darin befinden. Deswegen trinke ich es nur, wenn ich es gekocht habe. Ist vielleicht übertrieben, aber hey…<br />
Trinkwasser hingegen kommt in Plastikbehältern. Entweder kleine (1,5l-)Flaschen, oder grosse für den Wasserspender. Die fassen 5 Gallonen, das sind etwa 13 Grad Celsius in metrischen Einheiten (imperiale Einheiten sind nicht meine Stärke, aber  es sind irgendwas um die 20…25 Liter). Im Supermarkt heisst das dann auch &quot;gallon water&quot; – ohne Mengenangabe. Und in den gehe ich entweder in persona oder rufe an, wenn das Trinkwasser alle ist, auf dass neues gebracht würde. Das ist hier tatsächlich üblich und ziemlich einfach. Man kann auch einen Wasserlieferservice abonnieren, der kommt dann ein- oder zweimal in der Woche. Ich unterstütze den kleinen Eckladen und bestelle dort. Nicht nur Wasser, auch mal Milch oder Gemüse oder … was man so braucht. Hier in &quot;New Dubai&quot; verlangen sie schon nach einer substanziellen Bestellmenge (ca. 20 Dirham / 5 Euro), in den alten Vierteln kann man auch mal nachts um 11 eine kleine Flasche Milch bestellen und die kommt auch sofort. Der Supermarkt hier hat 24 Stunden am Tag geöffnet, und in der gleichen Zeit liefert er auch.</p>
<p>Das Trinkflaschenwasser kommt entweder aus der Entsalzungsanlage oder hier aus der Gegend und wird aus Aquiferen geholt. Das sind riesige unterirdische Lagerstätten, da liegt das teilweise schon ewig drin. Manche werden auch immer wieder aufgefüllt, wenn es im Winter regnet. Manche Aquifere haben einen Ausgang an die Oberfläche, das waren früher die einzigen Trinkwasserquellen – besser bekannt als Oasen.  Grundwasser gibt es hier auch, das ist aber sehr salzig und nicht wirklich trinkbar.  </p>
<p>Es gibt übrigens auch eine Notreserve für den Fall, dass die Entsalzung mal ausfällt. Das ist ebenfalls unterirdisch gelagertes Wasser, das dort extra hingepumpt wird. Diese Trinkwasserreserve reicht momentan für 48 Stunden, was nicht wirklich viel ist. Für andere, entferntere Gebiete ist das noch ein bisschen kritischer, Al Ain zum Beispiel wird nur mit einer einzigen Leitung durch die Wüste versorgt. Dort gibt es zwar auch eine Oase, aber die reicht schon lange nicht mehr für die Bevölkerung aus. </p>
<p>Zurück zum Wasser aus dem Hahn: das nimmt ja den Zwischenschritt über die Tanks auf dem Dach. Die kriegen natürlich die komplette Hitze ab, und entsprechend warm wird das Wasser auch. Die Warmwasseraufbereitung erfolgt eigentlich per Wohnung in einem elektrischen Boiler. Im Sommer wirkt der dann allerdings eher als Kaltwasserspeicher, denn mit dem Wasser aus den Tanks kann man ab 9 Uhr nicht mehr duschen. Es ist einfach zu heiss. In neuen Gebäuden und fast allen Hotels gibt es eine Kühlung für das Wasser, aber in den älteren muss man wirklich aufpassen, wenn man den Hahn aufdreht. Das gilt übrigens ebenfalls für die Waschmaschine, und für die Toilettenspülung.</p>
<p>Und wenn ich dann zurück nach Deutschland komme, und erst mal richtig kaltes Wasser aus dem Hahn und aus der Dusche kommt, das man auch noch trinken kann, dann ist das schon ein kleines bisschen Luxus. </p>
<p>Aber das dauert noch, jetzt ist erst mal Flaschenwechsel.</p>]]></description>
    </item>
    
  </channel>
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