Der Klomann
Der Klomann ist ein einzigartiger Mensch. Ich kenne seinen Namen, nenne ihn aber heimlich “Klomann” und offiziell “The Ambulance”. Er ist von hohem Wuchs, in seinen 50ern, und sieht aus wie ein braungebrannter Europäer mit einem kleinen Schmerbauch. Auf dem Kopf trägt er einen auffälligen Hut und am kleinen Finger einen auffällig großen Ring. Auf den ersten Blick meint man, einen etwas unterdurchschnittlich erfolgreichen, dafür aber auffallend fröhlichen Luden vor sich zu haben. Noch eigentümlicher als der Klomann ist aber seine Ausrüstung.
Am ersten Drehtag ist er mit einem selbst für hiesige Verhältnisse überdimensional großem Pickup mit einem im Vergleich dazu lächerlich kleinen Anhänger von der Größe eines halben Pferdeanhängers präsent. Dieser Anhänger beinhaltet die Fazilitäten für Männlein und Weiblein, und wird zur Hälfte des Tages kurzerhand abgekoppelt, um den verhältnismäßig großen Pickup durch die Wüste zu bewegen. Wo er dann auch fast steckenbleibt. Als der Anhänger bewegt werden soll, versuche ich den Klomann dazu zu bewegen, das relativ umgehend zu veranlassen, woraufhin er mir zum ersten erzählt, dass dieser noch in Benutzung ist, und zum zweiten eine Geschichte erzählt, in welcher ein Set abgebaut wurde und ein Lichtmann noch mal eben musste.
Das wusste der Klomann aber nicht, und setzte sich mit dem Rest des Trosses in Bewegung. Der Lichtmann machte daraufhin Ton, und zwar sehr sehr laut, was den Klomann wiederum veranlasste, dann doch mal nachzuschauen und festzustellen, dass der Lichtmann mitten in der Verrichtung plötzlich von allen Haltemöglichkeiten, deren er in diesem transportablen Klo habhaft werden konnte, Gebrauch zu machen versuchte und vom Klomann auf dem Thron sitzend und ängstlich am Spülkasten festgeklammert aufgefunden wurde. Zum Glück konnte er sich wenigstens nicht in die Hosen machen vor Angst.
Am zweiten Tag kommt der Klomann mit einem Mittelding zwischen Pferdetransporter und Kühlwagen – ein etwa mittelgroßer Pickup-ähnlicher Wagen mit hohem Aufbau, aus dem eine ambitioniert verbauschaumte Klimaanlage nach vorn mehr heraushängt als ragt. Komplettiert wird das ganze mit amerikanischen Speichenfelgen, diversen verschiedenen klappbaren Trittleitern und einer Carrefour-Beschriftung auf der Rückseite. Dieser Wagen ist der Stolz des Klomanns, und er hat es sich zum Spaß gemacht, unbedarfte Neulinge raten zu lassen, was das wohl mal gewesen sein könnte. Die Meinungen scheiden sich zwischen Pferde- bzw. Kameltransporter und Kühlwagen.
Weit gefehlt, lacht da der Klomann und erzählt, wie er einmal einen Krankenwagen gekauft und dann überlegt hat, was er damit alles so machen könnte. Nachdem sich alle seine Optionen als eher luftige Geschäftsideen entpuppten, hat er sich kurzerhand hingesetzt, den Aufbau verfliest und mit Marmorplatten an den Wänden versehen und eine mobile Bedürfnisanstalt errichtet – um dann dafür keine Zulassung zu bekommen. Die Behörden konnten sich einfach nicht vorstellen, dass das mal ein Krankenwagen war und haben die Abnahme verweigert. Das ging ein halbes Jahr so. Bis dann, so geht die Mär, der Klomann zum Behördenleiter sprach: “Es war eine Ambulanz und es ist immer noch eine. Stell Dir vor, dass Du mitten in der Wüste auf der Straße fährst und plötzlich merkst, dass Du mal musst. Dann rufst Du einfach die Ambulanz und in 5 Minuten bin ich da”. Woraufhin der Behördenleiter recht herzhaft lachen musste und schlussendlich die Genehmigung erteilte.